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sobota, 3 sierpnia 2013

Frauen in Führungspositionen sind in Deutschland selten

Frauen in Führungspositionen sind in Deutschland selten

Im europäischen Vergleich sind Frauen in Führungspositionen in Deutschland immer noch eine Seltenheit. Dadurch bleibt wichtiges Potential ungenutzt. Eine Frauenquote könnte diesen Missstand ausgleichen.
 
Die Telekom, das größte europäische Telekommunikationsunternehmen, wirbt damit, seine Frauenquote bis 2015 zu erhöhen und dann 30 Prozent Frauen in Führungspositionen zu beschäftigen. Bei der Deutschen Bahn, dem viertgrößten Arbeitgeber in Deutschland, soll bis 2015 jede fünfte Managerstelle mit einer Frau besetzt sein. Auch RWE, größtes deutsches Energieunternehmen, plant, die Frauenquote in Führungspositionen drastisch zu erhöhen. Die Zukunft des Konzerns hänge davon ab, sagt RWE-Chef Peter Terium. Seine Hoffnung: Weibliche Führungskräfte könnten die Firmenkultur dahingehend ändern, dass der Konzern wieder näher an die Gesellschaft heranrücken und die aktuelle Krise besser gemeistert werden könne. Soweit die Theorie.

Geringer Anteil von Frauen in Führungspositionen in führenden deutschen Firmen

 
Statistiken zeigen, dass der Anteil von Frauen in Führungspositionen bei Unternehmen ab 500 Mitarbeitern aktuell nur bei 8,7 Prozent liegt. Der Frauenanteil in den Vorständen der 100 beziehungsweise 200 größten deutschen Unternehmen betrug im Jahr 2012 sogar nur spärliche 4,0 Prozent. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Mercer Deutschland GmbH aus dem Jahr 2012 belegt Deutschland im Vergleich von 29 europäischen Ländern gerade mal Platz 28. Spitzenreiter hinsichtlich Frauen in Führungspositionen sind Litauen (44 Prozent), Bulgarien (43 Prozent) und die Russische Föderation (40 Prozent).

Anteil der Frauen in den Vorständen der größten deutschen Unternehmen

Frauenanteil in den Vorständen der 200 größten deutschen Unternehmen bis 2012

Weibliche Führungskräfte in Männerdomänen überzeugen mit Fachkompetenz

 
Eine Frau, die es in einer Branche, in der traditionell überwiegend Männer tätig sind, trotzdem an die Spitze geschafft hat, ist Verena Klein. Als zeitweilige Bauleiterin im Rohrleitungsbau sieht die studierte Chemietechnikerin das Verhältnis zu ihren männlichen Kollegen heute ziemlich entspannt. „Ich denke nicht, dass man als Frau in meiner Branche einen anderen Ton anschlagen muss als Männer“, so Verena Klein. Zunächst reagierten zwar einige Männer mit Skepsis. Wenn man aber seine entsprechende Fachkompetenz bewiesen habe, funktioniere alles reibungslos.
 
Sie hat nie erlebt, dass sich Männer ihrer Karriere bewusst in den Weg gestellt haben. „Natürlich gab es vor 20 Jahren mehr Vorurteile nach dem Motto: ‚Die kann sich in einem technischen Beruf nicht durchsetzen‘“, gibt die Ingenieurin zu. „Aber mit Zielstrebigkeit und Ehrgeiz überzeugt man Zweifler vom Gegenteil.“ Bezüglich des Stils von Frauen in Führungspositionen kommentiert sie: „Zimperlich darf man nicht sein, bei einer Meinungsverschiedenheit kann es auch mal laut werden. Aber danach ist die Sache vom Tisch.“

Einführung einer Quote für Frauen in Führungspositionen umstritten

 
Von einer gezielten staatlichen Frauenförderung hält die Technikerin wenig und bestätigt somit das Ergebnis der Studie „Deutschlands Chefinnen“ aus dem Jahr 2010. Auch hier sprachen sich 56 Prozent der befragten weiblichen Führungskräfte gegen eine gesetzliche Frauenquote aus. In der Frühjahrsumfrage 2013 des Verbandes deutscher Unternehmerinnen halten dagegen 64 Prozent der Befragten eine Frauenquote für wichtig.
 
Deutlich dafür sind auch viele deutsche Journalistinnen, die sich im Verein „ProQuote Medien“ zusammengeschlossen haben. Sie fragen: „Wer bestimmt, was in der Zeitung steht? Was im Radio und im Fernsehen läuft? Fast immer: Männer.“ 98 Prozent der Chefredakteure deutscher Tageszeitungen seien Männer. Sie sagen: „Trotz Selbstverpflichtung (der Redaktionen) zur Frauenförderung hat sich in den vergangenen zehn Jahren wenig verbessert. In den Chefetagen deutscher Redaktionen sind Frauen in Führungspositionen eine Rarität.“ Deshalb fordert der Verein eine verbindliche Frauenquote von 30 Prozent auf allen Führungsebenen bis 2017, um die gläsernen Decken zu sprengen und mehr Frauen an die Spitze zu kriegen.
 
In Deutschland gibt es nur wenige Frauen in Führungspositionen. Somit bleibt wichtiges Potenzial ungenutzt. Denn an der Spitze vieler Unternehmen stehen nicht die Besten der Branche, sondern die Besten aus den Männer-Netzwerken. Dabei sorgen Frauen nachweislich für mehr Effizienz in Führungsteams und schaffen eine familienfreundlichere Arbeitskultur. Eine selbst auferlegte oder vom Staat geregelte Frauenquote könnte diesen Missstand ausgleichen helfen.