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niedziela, 30 grudnia 2012

Aus alt mach schick: Upcycling – ein neuer Trend für Grüne Mode

Aus alt mach schick: Upcycling – ein neuer Trend für Grüne Mode

Der Berliner Designer Philippe Werhahn schneidert neue Kleidung aus alten Textilien. Damit ist er einer der Vorreiter des Upcyclings in Deutschland. Darunter versteht man Verfahren, mit denen aus Abfall neue Güter und damit neue Werte geschaffen werden, so zum Beispiel Taschen aus alten Planen oder Autoreifen. In unserem Interview spricht Philippe Werhahn über seine kreative Philosophie und über die Grüne Mode als Zukunftstrend.  
 
Wenn man Philippe Werhahns modische Kreationen genau anschaut, sieht man mitunter noch, was sie in ihrem ersten textilen Leben einmal waren. Der junge Designer aus Berlin erschafft unter seinem Label TingDing aus alten Hosen oder Hemden schicke Kleider und Röcke. Die Grüne Mode, also die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und ethischen Prinzipien in der Textilindustrie, ist ein Wachstumssektor – und das Upcycling, die Verwertung von aussortierten Materialien zu wertvollen neuen Produkten, ist der neueste Trend. Philippe Werhahn wurde Anfang dieses Jahres vom Goethe-Institut zu einer „Green Fashion Week“ nach Pune in Indien eingeladen und zeigte in Zusammenarbeit mit der dortigen „School of Fashion Technology“ seine Kreationen bei einer vielbeachteten Modenschau. In unserem Interview spricht er über seine Arbeit.

Was macht das Upcycling in der Mode für Designer und Kunden so reizvoll?

 
„Beim Upcycling wird Abfall als Material für die Schaffung neuer Produkte verwendet. Im Gegensatz zum Recycling ist ein deutlich geringerer Energieaufwand nötig, um Neues zu schaffen. Außerdem wird die Qualität des Abfalls nicht gemindert, sondern gesteigert. Das Konzept meines Labels TingDing lautet daher: ‚Wasting waste is a waste of resources‘. TingDing kreiert zeitlose Damenbekleidung in nachhaltigem Stil. Alte Textilien werden aus ihrem Zusammenhang gerissen und durch Upcycling zu neuen Unikaten arrangiert. Die Erinnerungen, die mit der alten Kleidung verbunden sind, bekommen so ein neues Gewand. Auch bei unseren Kunden schafft das ein nachhaltiges Bewusstsein, das am eigenen Körper getragen und gezeigt werden kann. TingDing animiert seine Kunden, Fragen zu stellen! Für mich sind Ökonomie und Ethik untrennbar miteinander verbunden. Nachhaltigen Erfolg hat nur, wer moralische und ethische Werte über ein ständiges Bestreben nach Gewinnmaximierung stellt.“

Sind für die Grüne Mode und speziell bei Ihrer Arbeit internationale Kooperationen wichtig?

 
„Extrem wichtig! Alleine in Deutschland fallen pro Jahr 700.000 Tonnen Gebrauchtkleidung an, also ca. zehn Kilo pro Person. TingDing ermöglicht es seinen Kunden, ihre ausrangierten Klamotten wieder in den Kreislauf zu bringen, anstatt durch ihre Wegwerfmentalität unbedacht eine geschäftsmäßige Wiederverwertung zu unterstützen. Mit ausrangierter Kleidung  wird viel Geld durch textile Re-Importe, unter anderem nach Afrika, verdient und lokale Märkte werden zerstört. Dafür ein Bewusstsein zu schaffen, ist ein langer Prozess, der nur international bewältigt werden kann! Vor allem in den Ländern, in denen industriell produziert wird, fehlt das Bewusstsein für faire und nachhaltige Arbeitsbedingungen, nachhaltigen Anbau und die Umwelt entlastende Arbeitsprozesse fast völlig.


TingDing ist ein Symbol für Nachhaltigkeit und die Kleidungstücke spiegeln dies wieder. Meine Kooperationen fokussieren sich auf den internationalen Designer-Nachwuchs. Ich möchte ihnen das Upcycling als Modesegment vorstellen und es ihnen außerdem als kostengünstiges ‚Werkzeug‘ zum Experimentieren mit Form und Material im Studium nahelegen.“

Glauben Sie, dass die Grüne Mode den Sprung vom Nischen- zum Mainstreamtrend schafft?

 
„Aktuell ist das Upcycling gerade ‚in Mode‘. Das hängt eng mit dem kreativen Prozess, dem aktuell vorherrschenden Zeitgeist und der damit verbundene Kritik am Massenkonsum und der Wegwerfgesellschaft zusammen, speziell in Deutschland.


Ich denke, Grüne Mode wird sich nachhaltig etablieren. Kleine Labels, und vor allem die, die selbst produzieren, haben in der Grünen Mode sehr gute Möglichkeiten, sich von der Konkurrenz abzusetzen. Dass Grüne Mode Mainstream wird, ist eher unwahrscheinlich, denn Bestimmungen und Zertifikate über das, was ‚Grün‘ und wirklich nachhaltig ökologisch ist, sind sehr uneinheitlich. Dass alle Menschen nachhaltige Kleidung tragen, ist mein Traum; aber leider ist für viele Menschen der Preis beim Kauf das Wichtigste. Internationale Bestimmungen sollten vereinheitlicht werden, um die gesundheitsschädliche Textilproduktion zu beenden und sich der Nachhaltigkeit anzunähern. Das wäre schon ein großartiger Erfolg.


Mainstream? Nein! Es haben aber bereits einige große Unternehmen auf die grüne Welle reagiert und werden sich umorientieren. Die Grüne Mode hat ihren Zenit noch lange nicht erreicht.“